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Stimmen am Standort: Heiko Wunder

Mode ist nicht nur unsere Leidenschaft, wir vom Fashion Net sind auch das Sprachrohr der Branche am Standort Düsseldorf.

Wir haben „Stimmen am Standort“ gesammelt, die sich zu den Düsseldorf Fashion Days, dem DFD Festival und der Relevanz des Order-Hotspots Düsseldorf geäußert haben.

Heiko Wunder, wunderwerk

Sie als gebürtiger Düsseldorfer - Was zeichnet den Modestandort für Sie aus?

Düsseldorf ist zum einen eine super Stadt, sie ist modern, die Leute machen Spaß und laufen gut herum – je nachdem in welchem Kiez man sich bewegt, haben die Düsseldorfer*innen schon einen ganz eigenen Style. Kultige Kiezviertel wie Bilk, Unterbilk und Flingern liebe ich besonders. Nicht umsonst befindet sich das wunderwerk Headquarter in Flingern. Hier merke ich auch, dass das Thema Nachhaltigkeit bei den Endverbrauchern immer besser ankommt. Deswegen haben wir unsere Produkt-Range auch sukzessive erweitert und führen jetzt neben nachhaltiger Fashion auch Kosmetik und Nahrungsergänzungsmittel, die perfekt zur Vision von wunderwerk passen. Die Brands sind allesamt auch alle inhabergeführt, möglichst aus Deutschland oder der EU – wir haben auch zwei Brands aus den Niederlanden im Sortiment, die das gleiche Mindset haben wie wir: Möglichst kein Plastik, wirklich nachhaltig und bio. Hier in Düsseldorf merke ich, dass die Endverbraucher Lust haben auf solche Produkte und das spornt mich natürlich weiter an. Mit Blick auf die Mode freue ich mich, dass der Modestandort noch so stark ist, weil die Firmen hier ansässig sind – die Showrooms, die Messe Gallery FASHION & Shoes und wiederkehrende Aktivitäten halten Modeleute hier. Gerade im Rahmen der DFD ist Düsseldorf ein wahrer Hotspot zum Netzwerken. Ich freue mich, dass ich zu meinen Wurzeln zurückgekommen bin und hier wieder lebe.

Sein Statement in Videoformat finden Sie hier.

Was ist für Sie die relevanteste Entwicklung im deutschen Modebusiness in den letzten Jahren in Sinne der Nachhaltigkeit?

Die größte Entwicklung im deutschen Modebusiness ist für mich, dass die Endverbraucher nachhaltig produzierte und hergestellte Mode wünschen. Sie denken zum Großteil schon viel nachhaltiger als die Industrie selbst ist. Dies zeigt sich dadurch, dass manche Lebensmittelhändler und Discounter – da habe ich einen in Kopf mit einem großen A im Namen – der schon vor zehn Jahren so in Bio und nachhaltig produzierte Produkte investiert hat und gute Arbeit leistet dieses Thema in den Köpfen der Menschen zu verankern und im Alltag sichtbar zu machen. In der Mode ist dies ähnlich, aber leider nicht ganz so schnell adaptierbar. Die Waren und Produkte kosten mehr, Nachhaltigkeit ist hier einfach eine andere (Preis-)Liga, gerade wenn das Thema Regionalität eingezogen wird. Auch regional produzieren zu lassen ist nachhaltig. Wir bei wunderwerk produzieren mit bis zu 70 Prozent in der EU. Unsere Schwerpunkte liegen hier auf Griechenland, Portugal und Polen, aber auch Italien. Die Rohstoffe und Stoffe beziehen wir aus Österreich, Spanien und Portugal, unser Denim aus Italien. Diese strenge Auswahl unterstützt den Wunsch nach Regionalität und ich merke, dass wir hier mehr und mehr Rückenwind und Zuspruch bekommen – und das nicht nur aus der Retail- oder Orderszene. Die Endverbraucher fordern das. Diese Entwicklung hat für mich die größte Power: Der Endverbraucher entscheidet alles, wenn er/ sie es denn möchte.

Wie sieht aus Ihrer Sicht die Zukunft der Modeindustrie aus?

Die Modeindustrie ist die zweitgrößte umweltverschmutzende Industrie der Welt und da kann es für mich nur nachhaltig weiter gehen. Der Einsatz von Biostoffen und Rohstoffen aus nachhaltigen Quellen verfolgt das ganzheitliche Ziel von Slow Fashion. Auch der Einsatz von Chemikalien muss in Zukunft umweltverträglich und umweltneutral werden. Eine gebleichte, konventionell hergestellte Jeans benötigt demnach 40 bis 160 Liter Wasser. Anschließend sei das Abwasser dann voller Chemikalien. Für die wunderwerk-Jeans werden nach Angaben des Gründers weniger als zehn Liter gebraucht, die Waschungen kommen ohne schädliche Chlorverbindungen und Kalium Permanganat aus. Auch umweltfreundliche Garne und Farben spielen in der Ideenschmiede in Flingern eine Rolle. Knöpfe beispielsweise sind aus Steinnuss oder Metall – und nicht aus Plastik. Selbst der Service ist nachhaltig: In der eigenen Näherei wird auf Wunsch jede Wunderwerk-Jeans geflickt und repariert nach der Devise: Länger tragen, statt wegwerfen und Neues kaufen. Kompromisslos – so wünsche ich mir die Zukunft der Mode.