Trendreport: Stofftrends Frühjahr/Sommer 2020
© Stofftrends SS 2020_Karolina Landowski

Trendreport: Stofftrends Frühjahr/Sommer 2020

Die Stoffe für Frühjahr/Sommer 2020 schwelgen in innovativen Dekors bis hin zum Kitsch.

Natürlichkeit, Rustikalität und Leichtigkeit stehen einer handwerklichen Opulenz gegenüber. Leinen und Polyester. Netz und Leder. Jersey und Jacquard. Cord und Transparenz: Spannung kommt durch die Kombination gegensätzlicher Materialien.

 

Natürliche Stoffe wie Leinen, Hanf und Ramie mit starken Strukturen, kernigem Griff und oftmals in Organic-Qualitäten geben in der Saison Frühjahr/Sommer 2020 die Richtung vor an. Rustikale und handwerkliche Webbilder werden oft in Baumwollqualitäten oder auf sportlichen Materialien nachgeahmt. Das Rohe im Sinne von unbearbeitet, ursprünglich soll subtil spürbar sein. Jedoch nicht rustikal sein im Ausdruck, eher elegant natürlich. Glanz setzt einen wichtigen Gegenpol zu den rustikalen Oberflächen. Metallischer Schimmer, wasserglänzende Coatings, Laminierungen, Lurex und Lamé bringen Stoffe maximal zum Glänzen. Daneben ist viel Durchblick gefragt. Transparenz bleibt ein wichtiges Stilelement, sowohl auf technischen als auch auf natürlichen Stoffen. Dreidimensionale Looks und Griffe zeigen sich gewebt, geprägt oder auch aufgedruckt mit haptischer Anziehungskraft.

 

Multifunktionale Stoffe finden ihren Weg in die Prêt-à-porter. Ultraleichte Membranen auf hochfeinem Jersey, kolorierte Reflex-Coatings und Beschichtungen machen Funktion alltagstauglich. Upcycling und Recycling zwischen professionell und handgemacht bringen neue Garnmischungen hervor, und zeigen sich sehr modisch ohne Kompromisse zu machen. Wichtig für die Saison ist der Verzicht auf übertriebenen Perfektionismus. Gefragt sind lebendige Oberflächen und ein Spiel mit Kontrasten – von Handwerk und Technik, von groben Webstrukturen und spiegelglatten Oberflächen.

 

Auf verschiedensten strukturierten Stoffen, von leichter Körnung bis grober Oberfläche, bekommen Drucke einen natürlichen Vintage-Look. Prints mit einer handgemalten Optik setzen einen Kontrast zu grafischen Motiven. Hochmodisch werden sie, wenn sie als Sportswear umgesetzt und gepatcht werden. Abstrahierte Motive aus der Natur, wie exotische Blätter, Steinstrukturen oder atmosphärische Wolken, liefern die Ideen für Drucke, Ausbrenner und Gewebe. Motive und Farben verlaufen in diffusen Drucken, wenn Unschärfe, Batik und Degradées undefinierbare Bilder entstehen lassen. Plakative Statements waren gestern, jetzt werden Buchtstaben durch Unschärfe und Patchwork zu kryptischen Aussagen. Logos und Slogans werden zu großflächigen Prints aufgeblasen.

Farben kommen in tonigen Abstufungen, welche die Farbpaletten harmonisch bestimmen. Rot verliert an Intensität und macht Platz für variantenreiche Apricot- und Koralltöne von ausgeblichen bis hin zu soften, neuen Neons. Grün kommt in frischen Nuancen von spritzigem Grasgrün bis zu kühlem Mint. Für grafische Effekte und plakative Ausdruckskraft werden Schwarz- Weiß-Kontraste mit Starkfarben ergänzt. Primärfarben mischen sich mit Fluo-Tönen zu Signalkombinationen mit Fernwirkung.

 

Karolina Landowski

Fotocredit: Karolina Landowski