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„Nachhaltige Mode muss nicht langweilig sein“: Jungdesigner Martin Appélt über provokatives Design

Ob durch die Übersetzung von High-Fashion Mode in alltagstaugliche Designs, das Tüpfelchen auf dem E oder das Eintauchen in pulsierende Themen – Martin Appélt will mit seinem Haute Couture-Label Aufmerksamkeit generieren.

Sein Werk konnte man schon in Mailand, Paris und Krakau bestaunen, produziert und designt werden die schillernden Stücke des Düsseldorfers jedoch hierzulande. Appélt steht für eine neue Couture-Generation. Im Interview mit dem Fashion Net spricht er über Engagement, individuelle Designsprache und popkulturelle Inspiration:

 

Du hast deinen Abschluss als Modedesigner an der AMD gemacht. Wie hat dich diese Zeit als junger Designer geprägt?
Die AMD hat für mich definitiv die Grundlagen gelegt, um als schaffender Künstler in dieser Branche tätig zu sein. Um eine konkrete Expertise in den diversen Bereichen dieser Branche weiterzuentwickeln, ist eine bewusste selbstständige Weiterbildung notwendig. Dieses Engagement habe ich bereits während des Studiums investiert und darüber hinaus in meinen Arbeitsalltag integriert.

 

(c) Jens Feierabend | Modedesigner Martin Apelt

 

 War für dich schon immer klar, dass du Modedesigner werden möchtest?
Mode war für mich schon von klein auf ein bedeutender Interessensbereich. Im Besonderen hat mich die Möglichkeit begeistert, sich über Mode ausdrücken zu können. Dass Mode nicht nur Ausdruck von Persönlichkeit ist, sondern ebenso Anteil an gesellschaftlichen Diskussionen hat, war meine finale Motivation, um in dieser Branche tätig und vor allem selbstständig zu werden.

 

„Die gesellschaftliche Diskussion war meine finale Motivation, um in der Modebranche selbstständig zu werden.“

 

Beschreibe uns den sehr modernen und besonderen Stil von Martin Appélt.
Meine Designsprache thematisiert gesellschaftsrelevante Themen, überspitzt sie und spielt auf graphische Weise mit ihnen. Zudem nehmen Themen meiner persönlichen Entwicklung Einfluss auf die Kollektionsentwicklung und deren Inspiration. Indem ich Themen inkludiere, die nicht aus klassischen Trendrecherchen stammen, sondern viel mehr von gesellschaftlichen und politischen Kernfragen inspiriert sind, habe ich die Möglichkeit, neue Silhouetten zu schaffen und unerwartete Printstorys zu entwickeln. Eine bedeutende Inspiration ist zu dem die Popkultur, welche in Verbindung mit ernsthaften gesellschaftlichen Themen auf besondere Weise mit meinen Adressaten räsoniert.

 

Du arbeitest mit provokativen Schnitten und schrillen Mustern. Was begeistert dich an diesem popkulturellen Stil?
Popkultur ist ein buntes Outlet, eine Referenz aktueller gesellschaftlicher und politischer Strömungen aber auch Verwerfungen. Sie ist eine Diskussion und ebenso Verbund verschiedener Ansichten, die sich zu einem Konstrukt zusammenfügen. Ich weiß dieses gesellschaftliche Pulverfass zu schätzen, weil es mir die Möglichkeit gibt, Kontroverse wie auch allgemein anerkannte Umstände auf humoristische Weise zu zitieren.

 

„Popkultur ist eine Diskussion verschiedener Ansichten, die sich zu einem Konstrukt zusammenfügen.“

 

Deine kommende Winter Sport Capsule Collection für den Herbst/Winter 2022 unterscheidet sich von deiner vorherigen Kollektion. Kannst du die Unterschiede beschreiben?
Die besondere Silhouette sowie der Einsatz hochwertiger Materialien in Verbindung mit einzigartiger Funktionalität entspricht dem Anspruch meiner Firma an das Design und den visuellen Wiedererkennungswert. Sie war ebenfalls Grundlage für Partner und Produzenten aus der Branche in mein Unternehmen zu investieren. Die Idee, neben meiner Hauptkollektion eine Outdoor- und Wintersport-Kollektion zu launchen, entstand eher zufällig. Ich habe die Idee ursprünglich für eine klassische Winterjacke für meine zukünftige Herbst Winter Kollektion 2023 entwickelt. Die extreme Rückmeldung auf diese Designsprache von Partnern und Investoren hat mich jedoch dazu verleitet, ein Produkt zu schaffen, welches als eigene Kollektion funktioniert und Kollektionsübergreifend vertrieben werden kann.

 

Welches Piece aus deiner neuen Kollektion ist für dich das absolute Must-have?
Wir übersetzen unsere doch eher drastischen Laufsteg-Looks auch in kommerzielle Teile, wobei alltagstaugliche Produktgruppen die Printstory der Haut Couture Pieces tragen. Diese auffälligen, aber dennoch alltagstauglichen Teile, die einem die Aufmerksamkeit seines Umfeldes garantieren, sind sicherlich ein Must-have.

 

Was ist deine Inspirationsquelle?
Popkultur, 90er / 2000er Nostalgie und aktuelle gesellschaftsrelevante Themen.

 

Wie würdest du dich lieber für deine Designs inspirieren lassen: Abgelegenes Haus auf dem Land oder belebter Park in der City?
Da ich aktuelle Gesellschaftsströme und pulsierende kulturelle Themen zitiere, kommuniziere und infrage stellen möchte, eignet sich die Stadt mit all ihren Einflüssen bedeutend besser als die Stille auf dem Land. Dennoch können besonders diese Rückzugsorte helfen, über das Erlebte zu reflektieren und aufs Papier zu bringen.

 

Hast du ein Vorbild, das deine Arbeit als Designer beeinflusst?
Jerry Scott mit seinen lebendigen unkonventionellen Designs sowie sein Werdegang sind eine große Inspiration und Motivation.

 

Trägst du selbst gerne extravagante Kleidung? Wie würdest du deinen eigenen Stil beschreiben?
Ich selbst bin gerne schlicht gekleidet (Blue Jeans & weißes T-Shirt) - für den Abend oder für Events kombiniere ich diese Teile aber gerne mit Statement-Pieces wie besondere Jacken, die durch die zurückhaltenden anderen Teile besonders zur Geltung kommen können. Ich bin ein großer Fan von Accessoires:  Schuhe oder Schmuck verleihen einem schlichten Outfit Individualität und sind auch im Alltag Ausdruck von Persönlichkeit.

 

Die Zeit der strengen Corona-Restriktionen und Dauer-Home-Office scheint vorbei zu sein. Wird sich das auch auf die Mode-Trends 2023 auswirken?
Definitiv. Ich denke, dass mit der neu erlebbaren Freiheit nicht nur vermehrt Events wahrgenommen werden, sondern auch der tägliche Gang ins Büro oder in die Stadt viel mehr mit aufwendigen Outfits zelebriert wird. Ich denke, wir werden eine Renaissance des „Sehen und Gesehen werden“ erleben.

 

„Wir werden eine Renaissance des „Sehen und Gesehen werden“ erleben.“

 

Gibt es Aspekte, die du in der Fashion-Industrie in der Zukunft verändern möchtest?
Schon zu Studienzeiten war die Nachhaltigkeit neben dem Look an sich eines meiner zentralen Anliegen. Schon meine erste richtige Kollektion habe ich im Studium aus recycelten Materialien und mit provokativem Design entworfen und umgesetzt. Sogar das Fotoshootings fand auf einer Mülldeponie statt. Dieser Anspruch ist eines der Säulen meines Unternehmens und fest in meiner Unternehmens-DNA verankert. Ich würde gerne dazu beitragen das Narrativ zu überwinden, nachhaltige Mode sei immer beige-braun und langweilig.

 

Wo siehst du die Zukunft der Haute Couture und wie platziert sich Martin Appélt im digitalen Zeitalter der Haute Couture?
Digitalisierung ist ein expandierender Markt, welcher branchenübergreifend stetig an Relevanz gewinnt. Neue Absatzmärkte entstehen, indem der Bedarf nach neuen digitalen Produkten zunehmend wächst. Somit erlangt auch die digitale Mode wachsende Aufmerksamkeit und Nachfrage. Die Möglichkeiten der Vermarktung sind vielfältig und umfassen unter anderem den Gaming Sektor, die klassische Funktion der Bekleidung seines virtuellen Avatars, sowie den Vertrieb digitaler Tokens in Form von NFT’s (Non fungible Tokens). Das Unternehmen Martin Appélt reagiert auf den bestehenden Trend der virtuellen und digitalen Mode und inkludiert diesen Absatzmarkt in seine Firmenstruktur. Der Bedarf und die Nachfrage nach digitaler Mode steigt stetig, wird jedoch aktuell von nur wenigen Anbietern bedient. Hierbei ist ein neuer Absatzmarkt entstanden, welchen Martin Appélt von Anfang an besetzen wird. Die Möglichkeit einer frühzeitigen Marktbesetzung und Positionierung ermöglicht die Zusammenarbeit auch mit großen Konzernen, da es bisher nur wenige konkurrierende Anbieter digitaler Mode gibt. Die Inklusion von digitaler Mode schafft neben zusätzlichen Vertriebsmöglichkeiten auch weitere Kommunikationskanäle und schafft den Zugang zu weiteren Zielgruppen. Somit profitiert die herkömmliche Produktpalette von der Nachfrage digitaler Konsumenten. 

  

Hast du ein Big Goal für die nächsten Jahre, das du unbedingt erreichen möchtest? Zum Beispiel die Teilnahme an einer bestimmten Fashion Show, Kollaborationen oder kommende Kollektionen…
Mein Ziel ist es, meine Kreationen international in den großen Modemagazinen wie Vogue und ELLE publiziert zu sehen. Ich würde mir wünschen, dass mein zum Teil kontroverses Design zum Austausch anregt und medial diskutiert wird.

 

 

Die DNA von Düsseldorf heißt Mode.
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